Drei Komponisten, drei Welten, eine Kirche: Wenn die Münchner Symphoniker am 21. November 2026 unter Joseph Bastian in die Allerheiligen-Hofkirche treten, stellen sie ein Programm zusammen, dessen einzige Verbindung scheinbar ist, dass alle drei Beteiligten – jeweils zu ihrer Zeit – die Klangwelt verschoben haben.
Marianna Martines – Wien, spätes 18. Jahrhundert
Marianna Martines (1744–1812) ist eine der wenigen Frauen ihrer Zeit, die in der Wiener Sinfonik wahrgenommen wurden. Geboren in einer kosmopolitischen Familie im selben Wiener Haus wie der junge Joseph Haydn (der ihr zeitweise als Cembalolehrer diente), war sie freundschaftlich mit Mozart verbunden und unterhielt einen der gefragtesten Salons Wiens. Ihr Werkverzeichnis umfasst über 200 Kompositionen: Sinfonien, Oratorien, Messen, Konzerte, Klaviersonaten. Ihre Symphonie in C-Dur öffnet den Abend – ein elegant gearbeitetes Stück zwischen Vorklassik und beginnender Klassik.
Manuel Ponce – Mexiko-Stadt & Paris, frühes 20. Jahrhundert
Im Zentrum des Abends: das Concierto del Sur des mexikanischen Komponisten Manuel Ponce (1882–1948). 1941 in Montevideo uraufgeführt, dem spanischen Ausnahme-Gitarristen Andrés Segovia gewidmet, gilt das Werk heute als eines der wichtigsten Gitarrenkonzerte des 20. Jahrhunderts – und als Beitrag zu jener internationalen Bewegung, die im frühen 20. Jahrhundert die klassische Gitarre vom Salon zurück in den Konzertsaal holte. Ponce verbindet darin sein lateinamerikanisches Idiom mit französisch-impressionistischen Farben und der wiederentdeckten spanischen Renaissance-Tradition.
Beethovens federnde Achte
Den Schlusspunkt setzt Beethovens Symphonie Nr. 8 F-Dur op. 93 – ein Werk, das oft im Schatten der monumentalen Siebten und der ekstatischen Neunten steht, dabei aber zu Beethovens charmantesten Sinfonien gehört. 1812 komponiert, 1814 in Wien uraufgeführt, hörte Beethoven sie selbst als „kleine F-Dur-Symphonie“ im Verhältnis zur sechsten (der Pastorale). Tatsächlich wirkt sie federnder, witziger, dichter gearbeitet als ihre äußere Bescheidenheit vermuten lässt – ein Beethoven, der mit der Form spielt.
Laura Lootens an der Gitarre
Solistin in Ponces Concierto del Sur ist die deutsch-belgische Gitarristin Laura Lootens, Jahrgang 1999. Mit 22 Jahren erhielt sie einen Lehrauftrag für Gitarre an der Hochschule für Musik und Theater München – ein Vertrauensbeweis, den die Hochschule sonst selten an Musiker:innen unter dreissig vergibt. Das Concierto del Sur spielt sie nicht zum ersten Mal: 2024 hatte sie es mit der Lüneburger Symphonie aufgeführt, in der Saison 2025/26 steht es mit der Mittelsächsischen Philharmonie auf ihrem Programm. Der Auftritt mit den Münchner Symphonikern markiert also auch eine Heimkehr in jene Stadt, in der sie heute lehrt.
Die Allerheiligen-Hofkirche
Der Aufführungsort verdient eine eigene Notiz. Die Allerheiligen-Hofkirche wurde zwischen 1826 und 1837 nach Plänen von Leo von Klenze als Hofkapelle der Wittelsbacher in die Münchner Residenz integriert. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, lag sie jahrzehntelang als Ruine im Residenzkomplex, bis sie zwischen 1986 und 2003 zu einem der akustisch eindringlichsten Konzertorte Münchens umgebaut wurde. Das offen liegende Mauerwerk und die hohe Decke ergeben ein Klangbild, das gleichermaßen intim und kraftvoll ist – und das für dieses dreiteilige Programm zwischen Kammerklang und sinfonischer Wucht ideal erscheint.
Die Mikrokosmos-Reihe
Der Konzertabend ist Teil der Abo-Reihe Mikrokosmos der Münchner Symphoniker – ein Format, in dem das Orchester bewusst kleinere Besetzungen, ungewöhnliche Repertoire-Verbindungen und intime Spielorte sucht. Joseph Bastian, seit 2022 Chefdirigent der Münchner Symphoniker, kuratiert die Reihe konsequent als Gegengewicht zu den großen Isarphilharmonie-Programmen.
Praktisches
Termin: Samstag, 21. November 2026, 18:00 Uhr.
Ort: Allerheiligen-Hofkirche, Münchner Residenz, Eingang Marstallplatz.
Tickets: über muenchner-symphoniker.de.
Quellen
- Münchner Symphoniker – Konzertkalender
- Laura Lootens – Biographische Daten (Wikipedia)
- Laura Lootens – offizielle Website
- Mikrokosmos – Aboreihe der Münchner Symphoniker