Ein Kurhotel irgendwo in Frankreich, eine Reisegesellschaft aus halb Europa und am Ende keine einzige Kutsche: Am Freitag, 16. Oktober 2026, um 19.30 Uhr bringt das Staatstheater am Gärtnerplatz Gioachino Rossinis »Die Reise nach Reims« (»Il viaggio a Reims«) als Münchner Erstaufführung auf die Bühne. Es ist die erste Opernpremiere der Spielzeit 2026/27 – und eine, die das Haus mit seinem Ensemble weitgehend aus eigener Kraft stemmt: Rossinis Dramma giocoso verlangt nicht weniger als zehn Hauptrollen.
Eine Krönungsoper, die ihr Komponist selbst zurückzog
Die Geschichte des Stücks ist fast so kurios wie seine Handlung. Rossini schrieb es 1825 als künstlerischer Leiter des Pariser Théâtre-Italien zur Krönung des französischen Königs Karl X. – seine letzte Oper in italienischer Sprache, uraufgeführt am 19. Juni 1825. Nach drei ausverkauften und umjubelten Vorstellungen nahm er das Werk wieder vom Spielplan, offenbar weil er es als Gelegenheitsarbeit betrachtete: Große Teile der Musik wanderten drei Jahre später in seine komische Oper »Le comte Ory«. Die Partitur galt lange als verloren, wurde erst in den 1970er-Jahren wieder identifiziert und rekonstruiert. Beim Rossini Opera Festival in Pesaro brachte Claudio Abbado sie 1984 zurück auf die Bühne; die deutsche Erstaufführung folgte 1992 in Saarbrücken. Seitdem hat sich die »Reise nach Reims« im internationalen Repertoire festgesetzt – das Gärtnerplatztheater kündigt seine Produktion nun als Münchner Erstaufführung an.
Zehn Hauptrollen und ein Fest aus der Not
Die Handlung ist eher Anlass als Drama: Im Badehotel »Zur goldenen Lilie« hat sich eine illustre Gesellschaft aus Adeligen, Künstlerinnen und Exzentrikern versammelt, um gemeinsam zur Krönung nach Reims weiterzureisen. Dann fehlen die Pferde, die Reise fällt aus – und weil eine so gemischte Truppe nicht einfach schweigend im Hotel sitzen kann, entbrennen Liebeleien, Eitelkeiten und nationale Rivalitäten, bis aus der Not ein rauschendes Fest wird, bei dem jeder Gast eine musikalische Kostprobe aus seiner Heimat beisteuert. Das Theater liest das Stück in seiner Ankündigung als »kluge Parabel auf Europa: voller Individualismen, und doch auf der Suche nach dem gemeinsamen Weg«. Musikalisch ist es vor allem ein Belcanto-Feuerwerk mit großen Ensemblesätzen – berühmt ist das vierzehnstimmige »Gran Pezzo Concertato«, in dem die gesamte Gesellschaft gleichzeitig ihre Verzweiflung besingt.
Besetzung: Lombardi dirigiert, Schmeding inszeniert
Die musikalische Leitung hat Enrico Lombardi, Regie führt Dirk Schmeding; Bühne Robert Schweer, Kostüme Britta Leonhardt, Choreografie Kerstin Ried, Licht Michael Heidinger, Dramaturgie Michael Alexander Rinz. Auf der Bühne steht das Gärtnerplatz-Ensemble nahezu geschlossen: Réka Kristóf singt die Improvisationskünstlerin Corinna, Jennifer O’Loughlin die Hotelbesitzerin Madame Cortese, Anna Agathonos die Marchesa Melibea und Andreja Zidaric die modebesessene Contessa di Folleville. Bei den Herren: Andrés Agudelo (alternierend mit Antonio Mandrillo) als Chevalier Belfiore, Gyula Rab als Graf Libenskof, Ludwig Mittelhammer als Lord Sidney, Timos Sirlantzis als Don Profondo, Levente Páll als Baron Trombonok und Matija Meić als Don Álvaro. In den kleineren Partien sind Lukas Enoch Lemcke, Juan Carlos Falcón (alternierend mit Christopher Willoughby), Anna Tetruashvili, Tamara Obermayr, Gregor Reinhold und Juho Stén zu erleben; dazu kommen Chor, Statisterie und Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz.
Gesungen wird auf Italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln. Der Abend dauert rund 165 Minuten mit einer Pause nach etwa 80 Minuten; das Theater empfiehlt die Produktion ab zwölf Jahren und weist auf Stroboskopeffekte hin.
Vorher reinschnuppern: »Premierenfieber« am 30. September
Wer sich vor der Premiere einstimmen will, hat dazu am Mittwoch, 30. September 2026, um 18 Uhr Gelegenheit: Unter dem Titel »Premierenfieber« gibt das Theater in einer einstündigen Veranstaltung Einblick in die Produktion und den Endspurt der Proben (Eintritt 7 Euro). Nach der Premiere folgen weitere Vorstellungen am 18. Oktober (18 Uhr), 24. Oktober (als Familienvorstellung), 29. und 31. Oktober, 5. November sowie am 4., 18., 21. und 28. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr.
Der Termin
- Freitag, 16. Oktober 2026, 19.30 Uhr – Premiere (Münchner Erstaufführung), Staatstheater am Gärtnerplatz, Gärtnerplatz 3, 80469 München
- Gioachino Rossini: »Die Reise nach Reims« (»Il viaggio a Reims«), Dramma giocoso, Libretto von Luigi Balocchi – italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln, ca. 165 Minuten, eine Pause
- Preise zur Premiere (Preiskategorie F): 92 / 80 / 68 / 53 / 38 / 24 / 12 / 9 Euro
Karten
Karten gibt es über den Webshop der Bayerischen Staatstheater sowie telefonisch beim Theater unter +49 (0)89 21 85 19 60 (Stand: 19. September 2026). Die Premiere ist zugleich Teil des Premieren-Abos; wer nicht am Premierenabend dabei sein muss, hat bis Ende Dezember neun weitere Termine zur Auswahl.
Lage & Anfahrt
Das Staatstheater am Gärtnerplatz liegt in der Isarvorstadt, rund fünf Gehminuten vom U-Bahnhof Fraunhoferstraße (U1/U2) entfernt; die Buslinie 52 hält direkt am Gärtnerplatz.
Mehr Infos
- Termin im kukumuc-Kalender: »Die Reise nach Reims« – Premiere am Gärtnerplatztheater, 16.10.2026
- Produktionsseite des Gärtnerplatztheaters (Besetzung, alle Termine, Karten)
- Spielstätten-Porträt bei kukumuc: Staatstheater am Gärtnerplatz
- Die nächste Premiere am Haus: »Die Landstreicher« (Ziehrer), 20.11.2026
- Uraufführung im Dezember: »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl«, 09.12.2026
Quellen
- Staatstheater am Gärtnerplatz: Produktionsseite »Die Reise nach Reims« (Stückbeschreibung, Besetzung, Termine, Spieldauer, Altersempfehlung, Hinweis auf Stroboskopeffekte) sowie Vorstellungsseiten zur Premiere am 16.10.2026 (Preiskategorie F, Premieren-Abo) und zum »Premierenfieber« am 30.09.2026, gaertnerplatztheater.de, abgerufen am 19.09.2026
- Preise der Premiere laut Vorstellungsseite des Gärtnerplatztheaters, Stand 10.09.2026 (kukumuc-Kalender)
- Werkgeschichte (Uraufführung 1825, Rückzug durch Rossini, Wiederverwendung in »Le comte Ory«, Rekonstruktion und Wiederaufführung Pesaro 1984, deutsche Erstaufführung 1992): Wikipedia: Il viaggio a Reims, abgerufen am 19.09.2026
- Beitragsbild: Staatstheater am Gärtnerplatz, München – Foto: Burkhard Mücke, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons