Die Präsidentinnen am Residenztheater: Claudia Bauer und Monika Roscher öffnen Werner Schwabs Wohnküche

Hausregisseurin Claudia Bauer trifft auf Komponistin Monika Roscher — am 12. Juni 2026 bringt das Residenztheater Werner Schwabs „Fäkaliendrama“ als Großbühnen-Premiere heraus.

Wenn das Residenztheater einen Werner-Schwab-Klassiker auf die Große Bühne stellt und Claudia Bauer Regie führt, ist das eine programmatische Entscheidung. Bauer ist seit der Spielzeit 2024/25 Hausregisseurin im Resi, viermal zum Berliner Theatertreffen eingeladen, und sie hat eine Handschrift, die mit Schwabs Sprachkunst auffällig gut harmoniert: musikalisch, körperlich, mit einer Lust am Exzess, der nie billig kippt. Dass für die Musik Monika Roscher gewonnen wurde — Bandleaderin der Monika Roscher Bigband, Deutscher Jazzpreis-Trägerin — verdoppelt die Erwartungslast.

Drei Frauen, eine Wohnküche, ein Papst im Fernsehen

Die Präsidentinnen hatte 1990 am Wiener Theater im Künstlerhaus Uraufführung und wurde zum bekanntesten Stück eines Autors, der nur 36 Jahre alt wurde. Schwab (1958–1994) erfand mit den „Fäkaliendramen“ eine Kunstsprache — das sogenannte „Schwabisch“ — die volkstümliches Sprechen, katholisches Mief-Vokabular und groteske Triebabgründe zu einer eigenen rhythmischen Form verschraubt. Die Präsidentinnen sind drei Frauen — Erna, Grete und Mariedl — die beim Übertragungs-Fernsehgottesdienst des Papstes in einer Wohnküche zusammensitzen und sich in zunehmend brutale Fantasien hineinsprechen. Erna träumt von Frömmigkeit und Sparsamkeit, Grete von Sex, Mariedl von verstopften Klos, die sie mit bloßer Hand reinigt. Was nach Soap-Skurrilität klingt, ist tatsächlich präzise gebaute Sprachmechanik mit einem Ende, das unter die Haut geht.

Cast und Team

Die drei zentralen Rollen besetzt das Resi mit Katja Jung (Erna), Myriam Schröder (Grete) und Lisa Wagner (Mariedl). Das Produktionsteam von Claudia Bauer ist eingespielt: Bühne Andreas Auerbach, Kostüm Vanessa Rust, Komposition und musikalische Leitung Monika Roscher, Video Jonas Alsleben, Licht Gerrit Jurda, Dramaturgie Constanze Kargl.

Claudia Bauer und Monika Roscher — die Kombination

Bauer hat sich auf dem Weg vom Theaterhaus Jena (2003–2008 Leitung) über das Schauspiel Leipzig (Hausregisseurin 2015–2023) bis zum Resi als eine der versiertesten Stimmen für sprachartistische und musikalisch durchgearbeitete Theaterabende etabliert. Vier Theatertreffen-Einladungen — für 89/90 (2017), Tartuffe (2019), Süßer Vogel Jugend (2020) und humanistää! (2022, Volkstheater Wien) — zeichnen einen Bogen, in dem Schwab kein Bruch wäre, sondern eine direkte Fortschreibung. Die Präsidentinnen sind ihre fünfte Resi-Arbeit nach Tartuffe, Der eingebildete Kranke, Valentiniade und Warten auf Godot.

Monika Roscher, 1984 in Nürnberg geboren, ist Jazzgitarristin und Komponistin und seit 2012 Bandleaderin der gleichnamigen Bigband — einer der spannendsten Großformationen im deutschen Mathjazz/Avant-Pop-Bereich. Ihr Album Witchy Activities and the Maple Death erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik, 8 Prinzessinnen den Deutschen Jazzpreis für Komposition/Arrangement. Dass Bauer sie für Schwabs Sprachfluss holt, lässt eine durchgehend musikalisch gedachte Inszenierung erwarten — keine bloße Untermalung.

Service

Premiere: Freitag, 12. Juni 2026 — Residenztheater, Große Bühne (Max-Joseph-Platz 1, 80539 München). Uhrzeit nach Spielzeit-Konvention; verbindliche Angabe auf der Stückseite des Resi
Folgevorstellungen: So 14.06., Mi 17.06. (Theatertag), Mi 08.07., Mo 13.07., Fr 17.07.2026 (jeweils 19:30 Uhr)
Regie: Claudia Bauer · Bühne: Andreas Auerbach · Kostüm: Vanessa Rust · Musik: Monika Roscher · Video: Jonas Alsleben · Licht: Gerrit Jurda · Dramaturgie: Constanze Kargl
Cast: Katja Jung (Erna), Myriam Schröder (Grete), Lisa Wagner (Mariedl)
Sprache: Deutsch
Tickets: ausschließlich über den Resi-Webshop tickets.staatstheater.bayern — Vorverkauf für Folgevorstellungen ab 01.06.2026

Lage & Anfahrt

Quellen

Bildquelle: Residenztheater München (Foto via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; vollständige Lizenzangabe in der WP-Mediathek).

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