Filmfest München 2026: Vaterland eröffnet, Toni Servillo erhält den CineMerit

Vom 26. Juni bis 5. Juli 2026 wird München zur Bühne des deutschsprachigen Sommerkinos. Was beim 43. Filmfest auf dem Programm steht — Eröffnungsfilm, CineMerit-Preisträger, deutsche Weltpremieren und die wichtigsten Spielstätten.

Wer in München Klassik hört, schaut im Sommer eher selten ins Programmkino. Das Filmfest München arbeitet seit Jahren bewusst gegen diese Aufmerksamkeitskonkurrenz: Es startet, wenn die Opernfestspiele schon laufen, und endet, bevor Klassik am Odeonsplatz aufschlägt. Diesen Slot zwischen den großen Klassik-Marken besetzt das Festival in seiner 43. Ausgabe mit zehn Tagen Premieren, einer breiten Sektion Neues Deutsches Kino und einem Programm, das sich anders als die Berlinale nicht im A-Festival-Wettbewerb verausgabt, sondern als Publikumsfestival positioniert — mit einem stark kuratierten deutschen Schwerpunkt.

Eröffnungsfilm und CineMerit Award

Eröffnet wird das Festival am 27. Juni mit Vaterland, dem neuen Film von Pawel Pawlikowski (Ida, Cold War) — einer BR-Koproduktion, die zuvor im Cannes-Wettbewerb 2026 lief. Hanns Zischler spielt Thomas Mann, Sandra Hüller seine Tochter Erika. Schon damit setzt das Filmfest ein Signal: Es geht um Stoffe mit Gewicht, gespielt von Schauspieler:innen, die den Filmen Reichweite verschaffen.

Der CineMerit Award 2026 — die wichtigste Ehrung des Festivals — geht am 29. Juni an den italienischen Schauspieler Toni Servillo. Im Rahmen der Verleihung wird Servillos jüngster Film La Grazia gezeigt; das Spektrum seiner früheren Rollen (Il Divo, La Grande Bellezza, Loro) wird in begleitenden Vorstellungen umrissen. Parallel widmet das Festival der feministischen Regisseurin Jutta Brückner eine Hommage mit drei Filmen, darunter ihre neue Arbeit Im Spiegel meiner Mutter mit Corinna Harfouch.

Die acht Reihen — und warum sie alle zählen

Das Programm ist in mehrere kuratierte Sektionen geteilt. Wer sich orientieren will, sollte sie kennen:

  • CineMasters — 14 Filme arrivierter internationaler Regie. Hauptwettbewerb (Award 15.000 €), aber non-kompetitive Atmosphäre.
  • CineVision — 14 Filme von Debüt- und Nachwuchsregie. Eigene Award-Schiene (10.000 €). Hier finden sich oft die Entdeckungen des Jahrgangs.
  • CineRebels — formal grenzgängerisches Kino, Experiment, Genre-Crossover.
  • CineCoPro — internationale Koproduktionen mit deutscher Beteiligung.
  • Neues Deutsches Kino (NDK) — 16 deutsche Weltpremieren. Inhaltlich das Herzstück, mit eigenem Förderpreis (70.000 €). Hier startet 2026 auch der Münchner Schicksalscombo-Film Kalter Hund.
  • Neues Deutsches Fernsehen (NDF) — 9 Filme + 7 Serien. Das Filmfest war eines der ersten großen Festivals, das TV-Serien als gleichrangiges Format ernst nahm.
  • Spotlight — Dokumentarisches und thematische Schwerpunkte (2026 u. a. Simon Messner — Aus dem Schatten).
  • CineKindl — 9 Lang- und ein Kurzfilmprogramm für Kinder. Nachfolge-Bezeichnung der früheren Reihe „Kinderfilmfest“.

Deutsche Premieren, die man auf der Agenda haben sollte

Aus dem NDK-Programm 2026 stechen — neben Kalter Hund — diese sechs Weltpremieren heraus:

  • Identitti (Regie Randa Chahoud, Buch Friederike Jehn) — die Verfilmung von Mithu Sanyals viel diskutiertem Roman über Identität, Race und akademische Diskursdynamik. Mit Sabrina Setlur.
  • Drei Kameradinnen (Milena Aboyan, nach Shida Bazyar) — über Alltagsrassismus und Freundschaft, als BR/SWR/WDR-Koproduktion.
  • Morgen war Krieg (Nicolas Ehret) — eine deutsche Dystopie mit Ulrich Matthes und Enno Trebs.
  • Im Spiegel meiner Mutter (Jutta Brückner) — der Hommage-Film mit Corinna Harfouch.
  • Schöne Seelen (Tom Schreiber) — mit August Diehl und Josef Hader.
  • Rebecca Horn — Die Seele der Dinge (Claudia Müller) — das Doku-Highlight der Reihe, Porträt der 2024 verstorbenen Künstlerin.

Wo das Festival spielt

Festivalzentrum ist das Amerikahaus am Karolinenplatz. Hauptspielstätte für Eröffnung und Gala-Vorstellungen bleibt das Deutsche Theater in der Schwanthalerstraße (rund 1.300 Plätze). Premieren-Screenings verteilen sich auf Astor Filmlounge im ARRI, Gloria Palast und die City Kinos in der Innenstadt. Hochschulnachwuchs läuft an der HFF München am Bernd-Eichinger-Platz. Weitere Spielstätten sind Rio Filmpalast, Filmmuseum, Theatiner, Cinema, Gasteig HP8 und der Pavillon 333. Wer ein Festival-Programm plant, sollte mit Wegezeiten zwischen Innenstadt-Häusern und Gasteig-HP8 in Sendling rechnen — die längste Verbindung im Programm.

Service

Festivaldatum: Freitag, 26. Juni — Sonntag, 5. Juli 2026 (10 Tage)
Eröffnungsfilm: Vaterland (Pawel Pawlikowski), Samstag, 27. Juni 2026, Deutsches Theater
CineMerit Award: Toni Servillo, Montag, 29. Juni 2026 (Spielstätte wird vom Festival bekanntgegeben)
Festivalzentrum: Amerikahaus, Karolinenplatz 3, 80333 München
Ticketpreise (Vorjahresbasis, 2026er Stand vor Vorverkaufsstart noch nicht final): Einzelticket 10–20 € (drei Preisstufen), 10-€-Tag am letzten Festivaltag. Festivalpässe und Mehrfach-Tickets je nach Volumen
Vorverkauf: ausschließlich über die Festival-Website filmfest-muenchen.de sowie über München Ticket. Vorverkaufs-Starttermin: vom Festival auf der eigenen Seite kommuniziert

Lage & Anfahrt

Quellen

Bildquelle: Festivalimpression Filmfest München 2010 (Foto: Usien via Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0).

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